Leitgedanke

 

Als Europäer sind wir zu Recht stolz auf die kulturelle und sprachliche Vielfalt, die unseren Kontinent prägt und die europäische Identität begründet. Diese Vielfalt entspringt dem Zusammenspiel verschiedener nationaler Sprachen und Kulturen. Neonationalistische Tendenzen in Europa und auf der ganzen Welt zeigen jedoch, dass Vielfalt auch als Bedrohung empfunden werden kann. Es ist daher eine der wesentlichen bildungspolitischen Aufgaben, die Vielfalt europäischer Sprachen und Kulturen als persönliche Bereicherung erfahrbar zu machen. Dazu bedarf es eines konkreten Handlungsrahmens, in dem Jugendliche sich ihrer eigenen sprachlich-kulturellen Prägung bewusst werden, andere sprachliche und kulturelle Identitäten kennen lernen und im Akt der Verständigung mit Jugendlichen aus anderen europäischen Ländern Eigenes und Fremdes als einander ergänzend und prinzipiell gleichwertig erleben.

 

Der Film erweist sich als in besonderem Maße geeignet, um Jugendliche zur Auseinandersetzung mit verschiedenen Identitätskonzepten anzuregen. Er ist sowohl universelle Kulturtechnik als auch spezifisch geprägtes Kulturgut und eignet sich deshalb besonders für den interkulturellen Dialog, der die Wahrnehmung für kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede schärft und auf dieser Basis Verständigung über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg ermöglicht. Film ist für Jugendliche des 21. Jahrhunderts ein Leitmedium. Der Umgang mit Filmen ist aber auch ein wesentliches Bildungsgut, das Jugendlichen eine kritische und kreative Teilhabe an der Medien- und Kommunikationsgesellschaft ermöglicht und ihr ästhetisches Urteilsvermögen schult.

 

Jugendliche bedürfen der kompetenten Anleitung durch die sie unterrichtenden Lehrkräfte. Dies gilt insbesondere hinsichtlich der zu entwickelnden Bereitschaft, sich auf die Begegnung mit kulturell und sprachlich Andersartigem einzulassen. Niedersächsische Fremdsprachenlehrerinnen und Fremdsprachenlehrer sind Profis in der didaktischen Gestaltung ihres Fachs. Um Jugendliche beim Prozess der interkulturellen Auseinandersetzung mit Filmen und bei der Begegnung mit Partnern aus dem europäischen Ausland kompetent betreuen und fördern zu können, sind sie jedoch auf gezielte Fortbildungen angewiesen, die ihre Handlungskompetenz erweitern.

 

Das Land Niedersachsen, seit Wegfall des eisernen Vorhangs zwischen Ost und West nicht mehr am Rande, sondern im Herzen Europas, versteht sich als weltoffenes Land, das großen Wert auf die Pflege internationaler Beziehungen legt. Eine besondere Rolle spielen dabei die Partnerregionen Niedersachsens in Ost und West. Im Zusammenspiel mit diesen Partnern kann europäische Verständigung für Jugendliche konkret erfahrbar werden. Die besondere Herausforderung für uns in Niedersachsen besteht dabei darin, Brücken zu verschiedenen europäischen Partnern in Ost und West zu bauen und dafür Sorge zu tragen, dass über die bilaterale Verständigung hinaus Prozesse der multilateralen Verständigung angestoßen werden, in denen jeder Partner eine Rolle findet, die seinen bildungspolitischen Voraussetzungen und Bedürfnissen entspricht.